Für mich ist Pinnow einer der aufrichtigsten Musiker, die ich kenne. Was er entstehen lässt, ist etwas ganz Besonderes und Einmalige. Seine Musik hat wunderbare Ecken und Kanten, sie hat Charakter und ist - für sein junges Alter - unglaublich reif. Manchmal klingt er so lyrisch wie Bill Evans oder hat die schöne Rauheit eines Thelonious Monk, - und trotzdem ist da immer ganz klar Pinnow zu hören. Pinnow lebt Musik und entwickelt sie unermüdlich weiter. Sie berührt und inspiriert mich sehr und ich freue mich, mehr von ihm zu hören.”

Sophia Oster (Jazz Pianistin, Sängerin und Komponistin)

Erste Betty’s Newcomer Jazz Night mit Pinnowation – Ein Abend zwischen Hörsaal und Höhenflug

Am 28.02.26 war es endlich soweit: Der Startschuss für unsere zweite Jazzreihe in Betty’s Black Pearl fiel – die erste Betty’s Newcomer Jazz Night ging über die Bühne. Und wenn man „über die Bühne“ wörtlich nimmt, dann mit bemerkenswerter Eleganz, jugendlichem Elan und einer guten Portion studentischer Improvisationskunst.

Diesmal gehört das Rampenlicht dem Nachwuchs der Bremer Jazzszene. Quasi der inoffizielle Auftakt einer Kooperation mit der Hochschule für Künste Bremen – unserem direkten Nachbarn. Theoretisch könnten wir einfach eine Wand durchbrechen und stünden in den heiligen Hallen der HFK. Praktisch haben wir uns – aus bautechnischen und vermutlich auch versicherungstechnischen Gründen – dagegen entschieden.

Stattdessen nahmen die vier Jungs von Pinnowation unter der Leitung von Moritz Pinnow (Piano) den etwas längeren, aber deutlich genehmigteren Weg ums Gebäude herum, um in der Black Pearl aufzuschlagen. Jazz ist schließlich auch eine Frage des Umwegs.

Trotz eines erneuten Streiks der Straßenbahn – und gefühlt aller anderen öffentlichen Verkehrsmittel – strömten zahlreiche Jazzfans in die Pearl. Offenbar ist der Wille zu guter Musik stärker als jede Fahrplanauskunft. Unter den Gästen befand sich auch die Schirmherrin unserer anderen Jazzreihe Betty’s Jazz Night, Alison Degbe, die sich gemeinsam mit vielen weiteren Jazzbegeisterten von der Energie der „noch“ Studierenden mitreißen ließ.

Und mitreißend war es.

Mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und ausgewählten Originals bewiesen Pinnowation, dass „Newcomer“ keineswegs „Anfänger“ bedeutet. Jeder der vier Musiker entpuppte sich als Virtuose an seinem Instrument – technisch brillant, rhythmisch präzise und dabei stets mit einem sichtbaren Augenzwinkern. Hier wurde nicht nur gespielt, hier wurde gelebt, gelacht, improvisiert und musikalisch diskutiert. Jazz eben.

Mal filigran und fast flüsternd, dann wieder kraftvoll und mitreißend – die Band zeigte eindrucksvoll, dass sie den Hörsaal nicht nur besucht, sondern offensichtlich auch verstanden hat. Das Publikum honorierte jede Wendung, jede überraschende Harmoniefolge und jedes augenzwinkernde Solo mit begeistertem Applaus.

Fazit des Abends:

Wenn das der inoffizielle Auftakt war, dann darf man sich auf den offiziellen Start der HFK Newcomer Jazz Night am Samstag, den 29.09.26, mehr als freuen. Die Latte liegt hoch – aber wir sind sicher, dass der Nachwuchs sie nicht nur überspringen, sondern improvisierend umspielen wird.

Betty’s Black Pearl hat an diesem Abend einmal mehr bewiesen: Große Karrieren beginnen manchmal nur einen Häuserblock entfernt. Man muss nur den kleinen Umweg nehmen.


Im August 2018 lernte ich Moritz kennen. Sein größter Wunsch war es, nach dem Abitur ein Musikstudium mit dem Hauptfach Jazzklavier zu beginnen. Nach dem ersten Vorspiel war mir sofort klar, welches großes Talent Moritz mitbringt: seine natürliche Vertrautheit mit der Klaviertastatur, seine überschäumende Kreativität, seine rhythmische Power und sein untrügliches (absolutes) Gehör.

Besonders der Meister der Jazzphrasierung Wynton Kelly und der Meister des romantischen Jazzpianos Bill Evans hatten es ihm angetan und er fing an, in atemberaubendem Tempo ganze Stücke der beiden zu transkribieren.

Den Einfluss der Evans - Phase kann man sehr gut in der gefühlvollen Ballade „Five o`Clock Ballade“ dem Jazz-Waltz „Sun Beams“ im Stil von „Very Early“, dem hard-bopigen „Holiday in Croatia“ oder auch in dem entspannten Two-Beat Feel von „Expedition“ hören. Aber alle seine Kompositionen sind immer auch typisch Moritz mit ungeraden Formen, eigenwilligen harmonischen und melodischen Wendungen und überraschenden Formteilen (das Intro von „Expedition“). Auch die Welt des Latin-Jazz hat sich ihm eröffnet („Idol“) und sein Humor und Spaß an „schrägen“ Sounds und Rhythmen („Jux“) sind ein wichtiger Teil seiner Persönlichkeit. Moritz bleibt sich selbst immer treu und klingt unverwechselbar, das ist eine ganz große Qualität!

Ich freue mich sehr und bin stolz, Moritz ein wenig auf dem Weg begleitet zu haben.

Torsten Aldag (Jazz Pianist)

Zunächst hat es mich überrascht wie traditionell die Musik klingt. Ich muss zugeben, dass ich eine gewisse Zeit gebraucht habe um mich daran zu gewöhnen. Diese Art Jazz höre nur noch ganz selten aber ich wollte mich in diesem Fall mal darauf einlassen weil ich euch alle drei kenne und schätze und ich neugierig war. 

Ab dem zweiten Stück konnte ich nach und nach immer mehr einen Zugang finden und habe es im weiteren Verlauf zusehends genossen. Ihr spielt sehr schön zusammen und ich mag die Kompositionen, es klingt ziemlich Low budget trotzdem gut ausgewogen, ein bisschen Rough und irgendwie Old School, manche Stücke fallen klanglich aus dem Rahmen als wären sie in einem anderen Raum aufgenommen, was ich aber auch sehr charmant finde. Es klingt ehrlich und dadurch auf eine skurrile Weise intim, Ich höre natürlich die Vorbilder und Einflüsse (vieeeel Bill Evans, auch Duke Ellington) gleichzeitig auch eigenes - alles ist sehr liebevoll in der Tradition des Jazz angesiedelt und hat dabei etwas berührendes.

Ausserdem finde ich natürlich es immer grossartig wenn Studierende bereits früh anfangen ihre Ideen zu realisieren und was auf die Beine stellen, die ganze Arbeit die dahinter steckt investieren (Komponieren, Bands machen, Proben, Aufnehmen, Produzieren, Veröffentlichen etc.…..). Super!! 

Andres Wahl (Jazz-Gitarrist)